Zweiundsiebzig Stunden Prag
Gib mir Zerstreuung und ich geb' dir meine Seele. Nach den drei ersten Sake-Bombs kann jeder aus sich heraus kommen und der nächste Tag beginnt in einem leichten Delirium, welches jede Startschwierigkeit zunichte macht. Sechs Stunden Fahrt liegen vor uns und jegliche Umsteigebahnhöfe markieren die Etappen der zunehmenden Entfernung vom Tagtäglichen. Mit dem Bus durch Land und Dorf, vorbei an beschädigten Häuserfassaden, die vom letzten Hochwasser zeugen, vorbei am Fluss, an dessen Ufer ein Haus mit Dach jedoch ohne Vorderfront die Ausmaße dieser stürmischen Tage in sich bündelt. Die erste Nacht verfliegt gediegen, ein paar Bier, ein paar Bars, ein paar betrunkene Deutsche bei dessen Anblick sich Fremdschämen wieder lohnt. Das Bett ist fremd und doch wohltuend, die Decke, die nicht die Unsrige war, das Kissen auf dem noch der Abdruck des Anderen ruht. Manchmal muss man weg.
Seine Zeche nicht zu bezahlen sollte, entgegen der ja sonst dieser Handlung eigenen Spontaneität, gut durchdacht sein, zumindest wenn es um die Schnelligkeit des Verlassens der Lokalität und um die Richtung, welche danach eingeschlagen werden soll, geht.
Wir verlaufen uns in den dichten, verzweigten Straßen Prags, einmal am Strip-Club vorbei, - Want some Weed? - Und wieder zurück. Wo zum Teufel sind wir? Ja, wer zum Teufel sind wir? Betrunkene Touristen, das war klar. Du trottest voran, ich schlendere hernach. Ich weiß, deine Blase drückt so unheimlich, aber ich kann nicht aufhören in die Höhe zu schauen, diese Häuserfronten in mich einzusaugen. Mir ist nach stehen bleiben und verweilen. Sie kommen zu mir herunter, so scheint es, stürzen auf mich ein und ich strecke die Arme weit aus um sie zu empfangen. Wart' auf mich du, ich komme ja schon.
Waren wir hier nicht schon mal? Heute und auch gestern?
Nur nicht schlafen gehen, nicht jetzt. Warst du jemals so lebendig? Schon jetzt weiß ich, ich werds vermissen, dich und die Stadt, diese Zeit, die mich so gut ablenkt von zu Hause.
Ich folge dir die Treppe hinab, in den dunklen Raum voller Leute und Musik. Die Skeptik verschwand und Emilio kam. Emilio, Emilio.
Von da an wird alles sehr verschwommen, in Körperbewegung veräußerte Musik, Augen die sich nähern und gleich darauf wieder entfernen. Wir brauchen nicht reden, selbst wenn wir wollten, ließen es unsere Sprachkenntnisse nicht zu.
Lass uns noch nicht gehen, ich will noch ein bisschen knutschen.
Und warum verdammt kannst du kein Tschechisch? Thundercat war doch so nah. Nur tanzen, nur tanzen?
Laut torkeln wir nach hause. Mein Arm um seinen Rücken und ein Clown neben uns.
Prag, du hast uns mitgenommen. Inspiriert. Enfernt. Und zusammengebracht.
Bist stolz auf deine Pracht und gibst gerne davon ab.
Bis bald, Freund. Bis bald.
Seine Zeche nicht zu bezahlen sollte, entgegen der ja sonst dieser Handlung eigenen Spontaneität, gut durchdacht sein, zumindest wenn es um die Schnelligkeit des Verlassens der Lokalität und um die Richtung, welche danach eingeschlagen werden soll, geht.
Wir verlaufen uns in den dichten, verzweigten Straßen Prags, einmal am Strip-Club vorbei, - Want some Weed? - Und wieder zurück. Wo zum Teufel sind wir? Ja, wer zum Teufel sind wir? Betrunkene Touristen, das war klar. Du trottest voran, ich schlendere hernach. Ich weiß, deine Blase drückt so unheimlich, aber ich kann nicht aufhören in die Höhe zu schauen, diese Häuserfronten in mich einzusaugen. Mir ist nach stehen bleiben und verweilen. Sie kommen zu mir herunter, so scheint es, stürzen auf mich ein und ich strecke die Arme weit aus um sie zu empfangen. Wart' auf mich du, ich komme ja schon.
Waren wir hier nicht schon mal? Heute und auch gestern?
Nur nicht schlafen gehen, nicht jetzt. Warst du jemals so lebendig? Schon jetzt weiß ich, ich werds vermissen, dich und die Stadt, diese Zeit, die mich so gut ablenkt von zu Hause.
Ich folge dir die Treppe hinab, in den dunklen Raum voller Leute und Musik. Die Skeptik verschwand und Emilio kam. Emilio, Emilio.
Von da an wird alles sehr verschwommen, in Körperbewegung veräußerte Musik, Augen die sich nähern und gleich darauf wieder entfernen. Wir brauchen nicht reden, selbst wenn wir wollten, ließen es unsere Sprachkenntnisse nicht zu.
Lass uns noch nicht gehen, ich will noch ein bisschen knutschen.
Und warum verdammt kannst du kein Tschechisch? Thundercat war doch so nah. Nur tanzen, nur tanzen?
Laut torkeln wir nach hause. Mein Arm um seinen Rücken und ein Clown neben uns.
Prag, du hast uns mitgenommen. Inspiriert. Enfernt. Und zusammengebracht.
Bist stolz auf deine Pracht und gibst gerne davon ab.
Bis bald, Freund. Bis bald.
paraplue - 16. Okt, 13:37




Eine kleine Gegendarstellung zu den letzten Zeilen
Mir fehlen ein paar Worte zu Kafka - oder kommen diese zu einer anderen Zeit wenn du, wenn wir, wieder da gewesen sind?
Ich werde demnächst tschechisch lernen!
L-U-P