Stift Drei: Des Pudels Kern

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Zu viele vielleicht

"Verlangend. Nicht blöde. Er möchte schrecklich gern in sich drin sein und nach außen schauen - jeder, der so die Nase gegen eine Scheibe preßt, in in Gefahr, blöd auszuschauen." - Capote, Frühstück bei Tiffany


Und wieder einmal, wieder einmal denke ich an Dinge, die schon tausendmal zuvor vorüber gestriffen sind. Schnell vergeht die Zeit, so schnell, dass ich mich manchmal dabei erwische sie krampfhaft festzuhalten. Doch sie rinnt mir durch die Finger, zerfällt, zerschmilzt und verhöhnend, mich verhöhnend, da auch meine zweite Hand zwecklos versucht den fließenden Sand zu greifen, verstreut sie sich in alle Winde. Vorbei. Vorbei.
Die letzten Tage, so voll an Leere, voll an Ungesagtem, Nicht-Getanem, widerstrebtem Widerstreben. Gab ich mich doch an meine Unfähigkeit, schenkte ihr die tiefen Sinne, da das Tiefe nach Außen zu kehren ich nicht bereit war. Kann nicht sagen was ich meine, meine auch nicht was ich sage, weine innerlich doch nach Außen treten nur Floskeln, die sprudelnd-jauchzend gen Osten ziehen. Muss sich immer meine Sicht von außen auf die Dinge und vor allem auf mich dazwischen schieben? Muss ich ewig in Distanz leben?
So selten und kostbar sehe ich die Augenblicke in denen in ganz nah bei mir bin, ganz nah. Den Rest der Zeit ersehne ich diese Momente, träume mich zurück und wundere mich darüber wie schwer es ist. Wie verdammt schwer es ist, solch lichte, leichte Einigkeit.
Alliterationen. Manchmal verabscheut es mich doch meist erfüllen sie ihren Zweck und mich mit stillem Wohlbehagen, da der Wohlklang nach außen auch den nach innen befriedigt.
Nur nicht übertreiben. Meine Gedanken ordnen. Sie irren umher, durch den Tag und durch die Nacht, scheren sich nicht um gewählte Formen und gut durchdachte Vorüberlegungen. Sie fliehen meist und drängen zu oft, lachen mich an, mich, der sie an die Kette legend wohlbehütet gedacht, um wieder einmal festzustellen, wie unweit meine Berechnungen greifen.
Viele Worte – sagt er zu mir. 14 Jahre alt. Autistisch.
Das sind viele Worte sagt er. Ja. Zu viele vielleicht.
Der Nimmersatt aß mehr und mehr und fand ein Ende, wo längst keine Ende mehr war. Auch ich suche Fülle, Völle, verliere mich in Völlerei, schlaraffe im Askesenland, nehm Speis und Trank in großen Mengen, um, deren Ersatzfunktion ignorierend, mich dem unwohlsamen Schlummer des Übermaßes hinzugeben. Wann endlich folgt die Sättigung? Wie lang muss ich noch Hunger leiden.. Wohl bis sich meine Augen ein letztes Mal schließen und selbst in diesem Augenblick werde ich mich nach dem nächsten Buche sehnen und meinen Körper verfluchen, der einfach so, ohne Widerpart aufgibt, obwohl mein Geist noch ewig suchend leben könnte.

Samstag, 16. Oktober 2010

War ist wird sein.

Flüchtige Worte. Die meisten nur von jetzt bis gleich. Andere eine Ewigkeit. Erzählt ich dir von dem Treiben meiner Gedanken in diesem Augenblick, wie großartig klänge es, sprühend vor Euphorie, einem frischen Herbstnachmittag gleich, hitzig, kühn, ungebändigt. Für Augenblicke wäre es greifbar, alles Gesagte. Ein Augenblick ganz nah bei mir. Und dir? Könnt' ich's doch...

Sie sprudeln, wollen heraus, an die Oberfläche. Nicht umsonst gedacht worden sein. Nicht um wieder vergessen zu werden. Nicht umsonst.
Dann ankommen. Und sei es drum. So oft sehe ich den richtigen Moment das Richtige zu tun an mir vorüberziehen. Machtlos mir selbst ausgeliefert. Und noch in anderen Welten suchend, führte es mich zurück ins Hier und Jetzt. Schweifend, sehnend, sterbend zog ich umher, lernte hundert Orte, hundert Meere, hundert Himmel kennen, und wusste doch nichts von dem Leben.

Was ist das, Liebe?, fragte mich der Fremde.
- Sie fragt nicht, ob sie kommen darf und sagt nicht Bescheid, wenn sie wieder geht, sagte ich. Unzufrieden war ich damit. Könnt ich ihn doch wiedertreffen, würde ichs anders sagen. - Sie nimmt sich was sie will, wann sie es will und wenn sie satt ist, dann geht sie wieder. Ein ziemlich egoistisches Wesen, diese L. Und immer wird jemand zurückgelassen.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Ein Wanderer
Ein Wanderer kam vorbei. Er schlug die Tür auf, trat...
paraplue - 19. Jun, 20:57
Die Mutter
Er steht am Fenster. Lässt seine Hand sanft über den...
paraplue - 18. Feb, 21:28
Eine kleine Gegendarstellung...
An der Korrektheit des Namen "Emilio" zweifel ich immer...
Triskel - 19. Jan, 00:47
Ich fasse mich kurz.
Ich finde Raucher, die zum Rauchen auf den Balkon gehen,...
paraplue - 30. Dez, 18:35
Zweiundsiebzig Stunden...
Gib mir Zerstreuung und ich geb' dir meine Seele. Nach...
paraplue - 22. Dez, 16:26

Links

Suche

 

Status

Online seit 5586 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 19. Jun, 20:57

Credits


Erzählungen
Reiseberichte
Stift Drei: Des Pudels Kern
Stift Zwei: Ansichten
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren